Ihre Themen
Verbreitung neuer Arbeitsformen

Check für Unternehmen

Gute Beispiele aus der Praxis

Entwicklung in anderen Ländern

Abschlusstagung-Ergebnisse

Dokumentation Internationaler Workshop

Trends der Arbeitsgestaltung
Nachricht
 
29.11.2001
Abschlusstagung bilanziert Projektergebnisse
Während Deutschland in den neunziger Jahren eine beispiellose Restrukturierungswelle erlebt habe, habe die Organisation der Arbeit mit dem Wandel in den Unternehmensstrukturen nicht Schritt gehalten. Der internationale Vergleich zeige, dass sich Deutschland hier nicht als Vorreiter bezeichnen dürfe. Das lasse sich an zwei Punkten festmachen:
  • der Verbreitung von Gruppenarbeit in der industriellen Fertigung - nur 15 Prozent der Betriebe praktizieren diese zurzeit - und

  • der Verbreitung partizipativer Ansätze der Arbeitsgestaltung wie Qualitätszirkel und Mitarbeitergespräche. Institutionalisierte Mitarbeitergespräche, die die Chance zur Planung der persönlichen Weiterentwicklung und Präzisierung der betrieblichen Erwartungen an den Mitarbeiter bieten, führen in Deutschland lediglich 18% der Beschäftigten. Im Vergleich mit anderen europäischen Staaten bildet Deutschland damit das Schlusslicht.
Auseinanderklaffende Wahrnehmungen
Dabei nehmen Betriebsleitungen und Mitarbeiter die betrieblichen Arbeitsbedingungen häufig sehr unterschiedlich wahr. Die Mitarbeiter beurteilen die organisatorische Modernität ihrer Arbeitsbedingungen jedenfalls weit weniger positiv, als es Angaben der Betriebe über ihren Einsatz innovativer Organisationskonzepte vermuten ließen, so Dreher.

Problematisch sei diese Diskrepanz in doppelter Hinsicht. Die Betriebe sähen ihrerseits keinen Handlungsbedarf, da sie zumindest einzelne Konzepte aus der aktuellen Managementdiskussion umgesetzt haben. Die Beschäftigten indes dürften aus der von ihnen wahrgenommenen Arbeitssituation kaum Motivation erfahren.

Während auf der einen Seite Stress und Überforderung zugenommen haben, wächst auf der anderen Seite gleichzeitig die Unterforderung, wie aus den im Rahmen des Projekts erstellten Trendberichts deutlich wird. Die untersuchten Wahrnehmungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zeigen, dass die Stressbelastungen von 14% 1960 auf über 25% 1995 gestiegen sind und dass zu wenig Zeit als Mangel von fast 35% der Arbeitnehmer empfunden wird. Im Gegenzug stieg zwischen den sechziger Jahren und 1997 die Zahl derer, die sich unterfordert fühlen. 35 Prozent wollen mehr Verantwortung übernehmen, 26 Prozent werden nicht genug gefordert und 17 Prozent werden nicht entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzt.

Individuelle Überforderungsrisiken würden durch herrschende Trends wie die weiter steigende Kundenorientierung und Flexibilitätserwartungen noch verstärkt, erklärte Dreher. So bringe die Tertiarisierung in der Industrie längere Präsenzzeiten und Bereitschaftsdienste mit sich und erfordere umfassendere Qualifikationen.

Insgesamt zeichnen die Untersuchungsergebnisse eine vielfältige Problemlage für die Betriebe im Einzelnen wie für die Wirtschaft im Allgemeinen, wobei sich brachliegende Ressourcen und verknöchernde Belegschaftsstrukturen gegenüberstehen.

Zudem machten sich Unternehmen, ihre Subeinheiten und die Wirtschaft insgesamt in zunehmenden Maße vom „Funktionieren“ Einzelner abhängig, die - auch vor dem Hintergrund länger werdender Lebensarbeitszeiten - systematisch überfordert würden.
Was machen Vorreiter innovativer Arbeitsgestaltung anders?
Eine Reihe von Punkten lassen sich identifizieren, durch die sich Vorreiterbetriebe in Sachen innovativer Arbeitsgestaltung auszeichnen:
  • eine breit getragene Unternehmenskultur, in der Mitarbeiterorientierung groß geschrieben wird. Im Einzelnen heißt das:

  • Transparenz und Kommunikation als wichtiges Handlungsfeld für die Unternehmensleitung

  • die Existenz einer eingeübten Praxis der Partizipation der direkt durch die Arbeitsgestaltung betroffenen Mitarbeiter

  • das Vorhandensein eigener, freigestellter Prozessbegleiter im Hause als zentrale Ressourcen für Fachwissen zur Arbeitsgestaltung, Moderations- und Prozess-Know-how

  • eine Sichtweise, die sich an Marktchancen statt Kostenrisiken orientiert.
Fast alle Vorreiterbetriebe wurden von den Wissenschaftlern als „proaktiv“ gegenüber Markt- und Gesellschaftsentwicklungen eingeschätzt. Viele dieser Unternehmen bemühten sich, wenn auch unsystematisch, um vorausschauende Aktivitäten und reagierten schon bei geringem Problemdruck.
Den vollständigen Text des Vortrags mit weiteren Forschungsergebnissen können Sie hier herunterladen:
 Vortrag Dr. Carsten Dreher
Eine Zusammenfassung der Trendreports und des Diffusionsreports finden Sie hier:
 Trendreports
 Diffusionsreport
 
Übersicht
Service

Zur Seite
Projektziele

Projektpartner

Förderung

Nutzungshinweise

Impressum
Copyright 2000, Fraunhofer ISI